Tareq Alaows zieht seine Kandidatur für den Bundestag zurück

Der aus Syrien geflüchtete Jurastudent wird nicht für Bündnis 90/Die Grünen kandidieren. Er fürchtet um seine Sicherheit und die seines engsten Umfeldes.
Foto: Bündnis 90/Die Grünen OV Dinslaken

Anfang des Jahres kündigte Tareq Alaows an, für Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag zu wollen. So überraschend die Kandidatur des aus Syrien geflüchteten Jurastudenten war, so schnell ist sie nun wieder vorbei: Alaows hat seine Kandidatur wieder zurückgezogen.

 

In einer Pressemitteilung informierte sein Ortsverband in Dinslaken über diesen Schritt, der persönliche Gründe hat. „Die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mich nahestehenden Menschen ist der wichtigste Grund für die Rücknahme meiner Kandidatur“, sagt Alaows.

 

Außerdem habe er in den letzten Wochen „massive Rassismuserfahrungen“ erlebt. Dies sei erschreckend gewesen und zeige, dass es stärkere Strukturen brauche, um den strukturellen Rassismus in der Gesellschaft entgegenzutreten und den Betroffenen zu helfen.

Ortsverbände bedauern Alaows Rückzieher

Die Ortsverbände in Oberhausen und Dinslaken bedauern Alaows Entscheidung. Besonders die Themen Migration, Asyl und Menschenrechte hätte der Jurastudent als Bundestagskandidat vertreten können.

 

In diesem Bereich hat Alaows in den letzten Jahren viele Erfahrungen sammeln können und müssen. Als Mitarbeiter des Roten Halbmondes war er in Krisengebieten im Einsatz und als Flüchtender erlebte er selbst Menschenrechtsverletzungen. 2015 kam er nach Deutschland und wurde vorerst in einer Turnhalle in Bochum untergebracht.

 

Dort organisierte er Flüchtingsprojekte und begann auch in Deutschland als politischer Aktivist tätig zu werden. Die Kandidatur für den Bundestag hätte ein nächster Schritt des politischen Aktivismus sein können. „Die große öffentliche Aufmerksamkeit für meine Kandidatur hat gezeigt, was für uns, geflüchtete Menschen möglich sein kann.“

 

Was möglich sein hätte können, bleibt jedoch die große Unbekannte. Die „angespannte Sicherheitslage“ für Alaows verhindert dies. Allein diese Tatsache spricht Bände.

In unserer Gesellschaft mangelt es leider an diskriminierungsfreien Räumen in allen Bereichen des Lebens. Es ist an uns allen, dies konkret in unserem Umfeld anzugehen und zu verändern.“

Tareq Alaows

Für einen gewissen Zeitraum wird sich Alaows zusätzlich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Und trotz der negativen und erschreckenden Erfahrungen, hält er fest: „Ich habe viele Situationen erlebt, die mir große Hoffnungen gegeben haben.“